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thumbnailIn der jüngst erschienenen Publikation „Studienentscheidungen im Kontext der Studienfinanzierung“ des HIS wird aufgezeigt, welche selektiven Auswirkungen Studiengebühren haben. So werden Studienberechtigte aus nicht-akademischen Elternhäusern durch die allgemeinen Bildungsgebühren häufig vom Studieren abgeschreckt. Gleichzeitig werden die bestehenden Geschlechterhierarchien gestärkt, da die Gebühren besonders Frauen im hohen Maße vom Studium abhalten.

Zwischen 3 % und 6 % des gesamten Jahrgangs 2008 (also diejenigen eingerechnet, die tatsächlich ein Studium aufnehmen) nennen Studiengebühren als Hauptgrund für den Verzicht auf ein Studium. Hier sind mit 8 % wiederum diejenigen Studierenden überproportional vertreten, die aus einem nichtakademischen Elternhaus kommen. Bei Menschen mit einem Akademiker*innenhintergrund sind es lediglich 3 %.
Die durch Studiengebühren auferlegten Restriktionen halten vor allem Frauen von der Studienaufnahme ab. Hier gilt, dass ohnehin verhältnismäßig viele Männer - nämlich 78 % (im Vergleichsjahrgang 2008) - ein Studium antreten, bei den Frauen sind es nur 66 %. „Frauen lassen sich durch Gebühren häufiger von der Realisierung ihrer […] Studienoption abhalten als Männer. Während 7 % der weiblichen Studienberechtigten 2008 angeben kein Studium aufzunehmen, da sie sich die Gebühren nicht leisten können, sind es bei den Männern 3 %“ (Seite 59).

Für diejenigen, die sich dazu entschließen kein Studium zu beginnen, spielen gerade finanzielle Motive eine große Rolle. „Drei Viertel der definitiven Studienverzichter*innen bekunden, dass das Fehlen der erforderlichen finanziellen Voraussetzungen […] sehr stark gegen die Realisierung der vorhandenen Studienoption spricht.“(Seite 45) Weiterhin sehen „71 % […] in der Vermeidung von Schulden aufgrund eines Studienkredites oder des BAföG-Darlehensanteils ein bedeutendes Verzichtsmotiv.“ (Seite 45) Die Verschuldungsgefahr wird von Frauen mit 74 % höher gewichtet als bei Männern (66%). 69 % geben an, dass Studiengebühren ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen. Auch hier ist zu beobachten, dass „Studiengebühren im Entscheidungsverhalten von Frauen häufiger starken restriktiven Einfluss haben als bei Männern“. Während 72 % der Frauen diese Angabe machen, sind es bei den Männern mit 63 % deutlich weniger.

Die unterschiedlichen Auswirkungen der Bildungsgebühren gründen auch in den gesellschaftlichen Verhältnissen. So ist bspw. der Abschluss eines Studiums für Männer in der Regel deutlich ertragreicher als für Frauen. Auf diesen Zusammenhang weisen die Autoren der Studie selbst hin: „Unabhängig von der besuchten Hochschulart liegt das durchschnittliche Einkommen der Frauen zu allen Zeitpunkten unter dem durchschnittlichen Einkommen der Männer. […] bei den universitären Abschlüssen: Hier kommen Frauen zehn Jahre nach dem Examen nur auf rund 77 % des durchschnittlichen Einkommens der Männer.“ Seite 33 (Vgl. Fabian Briedis 2009).

Im Zusammenhang der Geschlechtergerechtigkeit ist auch die Weiterführung des Studiums nach Abschluss des Bachelors zu sehen. So stellt der Übergang ins Masterstudium vielfach eine relevante Hürde dar, die gegen eine solche Aufnahme spricht. Angaben des statistischen Bundesamtes über die Absolvent*innenzahlen bestätigen diese Einschätzung. So lag 2009 an der Uni Göttingen der Anteil von Frauen, die ihren Bachelor absolviert haben, bei 51,8%. Bei den Master-Absolvent*innen lag der Frauenanteil nur noch bei 41,7 %.Der bundesweite Trend liegt ähnlich (51,6% beim Bachelor, 43,8 % beim Master)(Quelle: statistisches Bundesamt). Es scheint offensichtlich, dass die Studiengebühren diesen Trend noch verstärken.

Für einen gleichberechtigten Zugang zum Studium bedeuten Studiengebühren deshalb eine deutliche Verschlechterung. Die Tendenz der steigenden Schwierigkeiten für Frauen, Zutritt zu gesellschaftlichen Ressourcen zu erlangen, ist dabei nicht nur auf die Hochschule beschränkt, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Die Devise lautet somit, dass wir diese gesellschaftlichen Verhältnisse nicht als normal und gegeben akzeptieren dürfen, sondern die Auseinandersetzung für eine solidarische, offene und fortschrittliche Gesellschaft fordern müssen.

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