Beats gegen Sexismus – für eine befreite Gesellschaft
Über 2.000 besuchten das fünfte Antifee-Festival
Am 10. und 11. Juni fand am Campus der Uni Göttingen das fünfte Antifee-Festival
statt. Das zweitägige, unkommerzielle Festival („umsonst und draußen“) wird seit 2006 jedes Jahr von
einer offenen Gruppe von Aktivist*innen organisiert. Eine ganze Reihe von Fachschaften (FSR Bio, FSR Sowi, FSR PhilFak) sowie
die Fachschaftsräteversammlung (FSRV) unterstützen seit Jahren das Festival. In diesem Jahr ist – zum ersten Mal
– auch der Göttinger AStA mit dabei.
Über 2.000 Besucher*innen des Festivals konnten am Wochenende den verschiedenen Bands, Diskussionen auf der Bühne folgen
oder an interessanten Workshops zu verschiedenen Themenbereichen teilnehmen. „Man hat das Gefühl, es werden jedes
Jahr mehr“, so Nadine, eine Besucherin des Antifee, die auch schon die letzten Jahre das Antifee besucht hatte. „Von
den Workshops nehm‘ ich immer mal wieder ‚was mit. Vor allem aber hab‘ ich das Gefühl, hier in angenehmer
Atmosphäre feiern zu können – und alte FreundInnen treff‘ ich hier immer wieder, die teilweise schon
länger nicht mehr in Göttingen sind. Das Antifee lockt sie irgendwie immer wieder hier her“, erzählt Nadine
über ihr Erleben des Festivals.
An verschiedenen Ständen wurde Essen (vegane hotdogs, Suppe, Kuchen, cocktails) angeboten.
Das Festival versucht seit fünf Jahren „Kultur und Politik miteinander verbinden“. Neben Tanzspaß zur Musik
von lokalen und internationalen Bands bot das Antifee wie jedes Jahr ein breites Programm von Workshops und Podiumsdiskussionen,
in denen Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen stattfindet. So heißt in der Broschüre zum Antifee:
“Beim Antifee geht es um mehr als nur um Musik. Es handelt sich vielmehr um den Versuch, Kultur und Politik zu verbinden.
Wir wollen beim Feiern unsere Überzeugungen kundtun. Wir wollen unsere Kritik an Sexismus und Nationalismus, aber auch an
anderen gesellschaftlichen Strukturen, die unsere Selbstbestimmung einschränken, laut hinausschreien. Wir wollen in
Workshops und Diskussionen über Strategien für eine Gesellschaft von freien und gleichen Individuen diskutieren. Und
wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in der unsere Ansprüche an ein gleichberechtigtes Miteinander zum Tragen
kommen.”
Ein wichtiger Schwerpunkt des Antifees ist die Thematisierung und Kritik bestehender Geschlechterhierarchien. Das zeigt sich zum
einen in dem Workshop-Programm, in dem Sensibilität für und Strategien zu verschiedenen Themen wie unter anderem
Sexismus oder Homophobie diskutiert wurden. Beim Antifee wird aber nicht nur geredet: Auf eine angenehme und reflektierte
Festivalatmosphäre wird großer Wert gelegt. Wie jedes Jahr wurde in den Pausen auf der Bühne ein Jingle
abgespielt, der gegen sexistische Übergriffe und das Achten auf Grenzen anderer sensibilisieren soll - auch dieses Jahr
stand eine antisexistische Ansprechgruppe in einem geschützen Rückzugsraum bereit.
„Weil es in der Gesellschaft und in der Linken das Problem gibt, dass auch auf Parties total viel rumgemackert wird. Da gibt’s
immer die Rumsteher, die mit den Händen in den Hosentaschen die Frauen abchecken. Das können so niedrigschwellige
Dinge sein, bei denen körperlich Dominanz ausgestrahlt wird. Es gibt aber auch dumme Sprüche bis hin zu
Übergriffen. Ich selber erlebe das so, dass ich mich ganz selten auf Parties richtig wohl fühle. Es gibt nicht viele
davon. […] Mir ist das persönlich total wichtig, weil ich selber das Gefühl habe, mich oft auf
Parties nicht so richtig frei zu fühlen.“, so Anne, die das Antifee mitorganisiert.
Das Antifee wird nicht von einer festen Gruppe organisiert, sondern jedes Jahr von neuen Aktivist*innen, die sich zusammenfinden.
So ist das Antifee „Jedes Mal ein bisschen anders“. Die Finanzierung muss in jedem Jahr von neuem auf die Beine
gestellt werden. „Das alles funktioniert aus politischer Überzeugung ohne Eintritt und kommerzielle Sponsoren und ist
nur durch die Beteiligung von Vielen denkbar.“